Hochwasserbereisung LR suedl. Lkr (29)Landrat Nuß und Landtagsabgeordnete vor Ort im südlichen Landkreis Würzburg

Würzburg - Land - Die wichtigste Botschaft an diesem Freitagmittag für die Geschädigten der Unwetternacht vom 29. Mai im Landkreis Würzburg lautete: „Es ist noch nicht zu spät!“ – Hierin waren sich Landrat Eberhard Nuß und die Landtagsabgeordneten Manfred Ländner (CSU) und Volkmar Halbleib (SPD) einig, als sie sich vor Ort ein Bild der Schadenslage machten. Sie waren gemeinsam mit den Bürgermeistern Peter Juks, Ochsenfurt, und Helmut Krämer, Giebelstadt, dem Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Aschaffenburg, Dr. Herbert Walter, dem Kreisbrandrat Michael Reitzenstein sowie Franziska Gerlach, zuständige Geschäftsbereichsleiterin im Landratsamt Würzburg, exemplarisch in Darstadt, Goßmannsdorf und Eßfeld unterwegs.

Landrat Eberhard Nuß war am Ende sichtbar betroffen: „Das Ausmaß der Schäden geht mir an die Nieren. Was die Menschen hier erlebt haben und nun bewältigen müssen, hat bisher nie erlebte Ausmaße erreicht. Wir müssen für die Geschädigten unbedingt möglichst weitreichende finanzielle Unterstützung durch die Staatsregierung erreichen.“

Grund für die Bereisung war für den Landrat und die Landtagsabgeordneten der Kabinettsbeschluss vom Dienstag. Dieser nahm Unterfranken und damit die vom Unwetter heimgesuchten Gemeinden im Landkreis Würzburg nicht in die Kategorie „Jahrhunderthochwasser“ auf. Damit ist eine unbürokratische Soforthilfe nicht möglich, Härtefälle würden jedoch berücksichtigt. „Es ist erschreckend zu sehen, wie auch bei uns das Unwetter gewütet hat und welche Schäden dabei entstanden sind“, so Nuß und Ländner. „Wir haben selbstverständlich damit gerechnet, dass auch unsere Region als Jahrhunderthochwasser-Lage eingestuft wird. Nun ist das nicht so, und deshalb kämpfen wir für unsere Bürgerinnen und Bürger“, betonen Landrat und Ländner gemeinsam.

Landrat Eberhard Nuß und der Landtagsabgeordnete Manfred Ländner kämpfen nun dafür, doch noch umfangreiche finanzielle Hilfen für die Hochwassergeschädigten im Landkreis Würzburg zu erreichen. „In einigen Gemeinden des Landkreises Würzburg hat das Unwetter ebenfalls existenzgefährdende Schäden – sowohl bei Privathaushalten als auch im Gewerbe - angerichtet. Hier müssen die Einzelfälle geprüft werden, um auch den Menschen in unserer Region die nötigen Hilfen zu gewähren“, sind sich Nuß, Ländner und Halbleib einig.

Landrat Nuß und MdL Ländner drängen darauf, dass genau geprüft wird, ob die Niederschläge der Nacht vom 29. Mai ein 100jähriges Hochwasser waren. Denn danach richtet sich die Einstufung in die Soforthilfemaßnahmen des Bayerischen Finanzministeriums. „Nun heißt es, die Schäden genau zu dokumentieren, um doch noch die Aufnahme in die Kategorie Jahrhunderthochwasser zu erreichen“, meinte Ländner. Derzeit belaufen sich die geschätzten Schäden in den Landkreis-Gemeinden auf rund 23,5 Millionen Euro.

In 500 Jahren noch nie Hochwasser in Darstadt

„Unser Schloss steht seit mehr als 500 Jahren, und einen Wasserschaden hatten wir bisher noch nie“, betonte Heiner von Zobel beim Gespräch mit den Politikern in Darstadt. Das Erdgeschoss des Schlosses war bis auf Brusthöhe mit Wasser und Schlamm vollgelaufen, Holzböden wurden vernichtet und in einem ehemaligen Pferdestall ist das Pflaster einfach weggeschwemmt worden.

Auch bei der Rothmühle außerhalb von Darstadt ist das Entsetzen bei Familie Umminger groß. In der Scheune liegt der Schlamm zwei Handbreit hoch, die Brücke über den kleinen Bach vor der Mühle ist zerstört, auf dem Hänger türmt sich der Hausrat, Werkzeuge und Maschinen, die nur noch Schrott sind.
„Es hat in Ochsenfurt einige bereits bekannte Bereiche erwischt, aber auch Stellen, an denen noch nie Hochwassergefahr war“, erklärt Ochsenfurts Bürgermeister Peter Juks das Entsetzen der Bürger.

Juks dankt dem Landrat und den Landtagsabgeordneten für ihre Initiative, den Landkreis Würzburg doch noch in die Soforthilfe zu bringen. Auch die Schäden an kommunalen Einrichtungen müssten besser abgefedert werden, meint er. „In Ochsenfurt haben wir mindestens 800.000 Euro Schäden an öffentlichen Einrichtungen und rund 400.000 Euro Schäden bei insgesamt 25 Haushalten“, berichtet Juks.

Auch in Eßfeld bietet sich ein Bild des Schreckens. Auf dem Anwesen von Georg und Anna Breunig stehen historische Möbel zum Trocknen in der Sonne. An Zäunen hängen büschelweise Schlamm und Stroh, ein Wohnhaus musste wegen ausgelaufenen Öls evakuiert werden. „Wir haben in Eßfeld 45 betroffene Haushalte“, schildert Bürgermeister Helmut Krämer. „Die Schlammlawine hat hier einen Schaden von mindestens drei Millionen Euro angerichtet. Es sind private und gewerbliche Existenzen bedroht“, erklärt Krämer.

Individuelle Schäden bewerten, nicht Regionen in Kategorien aufteilen

MdL Halbleib betonte: „Wir können nicht ganze Regionen in Kategorien aufteilen, wir müssen das jeweilige individuelle Schadensausmaß berücksichtigen und dann entsprechend helfen.“ Das sieht auch Dr. Herbert Walter, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Aschaffenburg, und damit für die Einstufung der Regionen in Schadenskategorien zuständig, so. „Das Unwetter war ein intensives Ereignis, bei dem wir den Fokus nicht auf die Jährlichkeit legen können, sondern die individuellen Schäden sind maßgeblich“, erklärt er.

Es ist noch nicht zu spät!

Manfred Ländner versichert: „Wenn wir nun die Schäden genau dokumentieren und nachmelden, wird es auch eine Gleichbehandlung für ganz Bayern geben können.“ Unsere Feuerwehren haben sehr gute Arbeit geleistet und wir können u.a. die Einsatzprotokolle der Feuerwehren zur Schadensdokumentation verwenden“, so Ländner weiter. „Es ist noch nicht zu spät, um die bestmöglichen Hilfen für den Landkreis Würzburg zu ermöglichen!“

Großartiger Einsatz der Feuerwehren

Kreisbrandrat Michael Reitzenstein war selbst in der Unwetternacht vor Ort und nennt die ersten Zahlen der Feuerwehren, wobei die Daten für den Bereich Ochsenfurt noch fehlen. Rund 30 Feuerwehren waren 48 Stunden im Einsatz an insgesamt rund 500 Einsatzstellen. Die bisher gemeldeten 2000 Einsatzstunden werden sich mit den Ochsenfurter Meldungen sicher verdoppeln, so Reitzenstein.
Die Heftigkeit der Einsätze war immens, es mussten noch in der Nacht gravierende Entscheidungen getroffen werden, wie etwa die Evakuierung eines Wohnhauses in Eßfeld wegen auslaufenden Öls.

Landrat Nuß dankt den freiwilligen Feuerwehren und Hilfskräften für ihren tatkräftigen und unermüdlichen Einsatz in den betroffenen Gemeinden. „Mich beeindruckt die Selbstverständlichkeit, mit der die Kameraden unserer Feuerwehren immer wieder bereit sind, anzupacken und bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit Hilfe zu leisten. Das war schon bei den Hochwasserlagen 2011 und 2013 so, und das ist nun auch wieder der Fall.“

Auch die Nachbarschaftshilfe, die hier geleistet wird, zeige, wie gut das soziale Netz in unseren Gemeinden funktioniert, so Nuß weiter. „Wie sich hier die Leute gegenseitig geholfen haben und noch helfen, ist einfach großartig“, betont auch MdL Ländner.

 

Dieser Bericht beruht auf einer Pressemitteilung des Landratsamt Würzburg vom 10.6.2016 - Text und Fotos: Pressestelle Eva-Maria Schorno M.A.